Ganzheitlichkeit im Digitalen
25.08.2026 |
Wie ein Grundsatz der Digitalpastoral in Formaten ankommt
Der Anspruch steht in jedem Konzeptpapier: Der Mensch soll in digitalen Räumen als ganze Person vorkommen. Wie das am Dienstagabend in einer Videokonferenz gelingt, bleibt meist offen. Einige Handgriffe, die sich bewährt haben — und die Bitte, sie zu bereichern.
Pastorales Handeln im digitalen Raum geht von einem ganzheitlichen christlichen Menschenbild aus. Digitale Räume sind Orte, an denen der Mensch in seiner geistigen, seelischen und relationalen Dimension angesprochen und ernst genommen wird, wo es möglich ist auch in seiner leiblichen. Als bloßer Informations- und Kommunikationskanal würde man digitale Lebenswelten und -räume mehr als unterschätzen. Die praktische Frage lautet allerdings, woran sich dieser Anspruch im Ablauf eines Formats zeigt.
Beten, Stille und Atem tragen auch über Distanz
Gemeinsames Gebet funktioniert virtuell verbunden. Stille ebenso. Eine Minute, in der alle einmal ausatmen, wirkt in der Kachelansicht ähnlich wie im Stuhlkreis — vorausgesetzt, sie wird angesagt und dann auch ausgehalten. Online ist die Versuchung groß, solche Momente mit Moderation zuzudecken.
Den Raum hinter der Kachel mitdenken
Wer digital begleitet, sieht einen Ausschnitt. Eine kurze Runde zu Beginn, wo jemand gerade sitzt und was um ihn herum los ist, sagt oft mehr über die Verfassung des Gegenübers als das Kamerabild. Analoges und digitales Geschehen gehören zusammengedacht, weil das eine das andere ständig beeinflusst: Der Hund bellt, die Bahn fährt ein, der Bildschirm steht in der Küche.
Mehr Wege als die große Runde
Austausch zu zweit ist online leichter herzustellen als in Präsenz, über Breakout-Räume ebenso wie über eine private Chatnachricht. Wer in der Gruppe schweigt, schreibt manchmal dort. Dazu genug Pausen, kürzer getaktete Blöcke und die Erlaubnis, den Blick vom Bildschirm zu nehmen.
Etwas in die Hand geben
Ein Gegenstand, der vorher per Post kommt oder hinterher ausgeteilt wird — eine Karte, eine Kerze, ein Stein — verschränkt beide Ebenen und holt Tastsinn und Bewegung dazu. Auch aufstehen, die Hände öffnen oder eine Geste mitmachen lässt sich digital anleiten. Sehen und Hören sind der bequemste Zugang, sie bleiben aber der schmalste.
Wie stellen Sie Ganzheitlichkeit im digitalen Raum, ob synchron oder asynchron, her?
