KI im Jugendamt
07.07.2026 |
Das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald ist bundesweit Vorreiter bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Jugendhilfe. Das Ziel des angelaufenen KI-Projektes ist nicht, Entscheidungen zu treffen. Vielmehr sollen Fachkräfte im sensiblen Bereich der Kindeswohlgefährdung strukturell entlastet werden.
In Folge zweier Aufsehen erregender Fälle von Kindeswohlgefährdung stellten sich die Verantwortlichen die Frage, wie Entscheidungen in diesem Themenbereich gefällt werden und wo Entscheidungstragende besser unterstützt werden können; zum Wohle der Kinder.
Dabei zeigte sich, dass die Entscheidenden unter Zeitdruck, angesichts einer unsicheren Informationslage und fehlendem Wissen (Expertise?) und der Tatsache, dass solche Situationen einem dynamischen Fallverlauf unterliegen Entscheidungen treffen müssen. Wie kann man hier diesen Personen Hilfe zur Seite stellen.
Die Antwort war ein Pilotprojekt mit einer geschlossenen KI. Diese soll dabei helfen zu schnelleren und besseren Entscheidungen zu gelangen. Eine solche Eine bedarfsorientierte, modulare Assistenzsoftware
sollte das Kinderschutzverfahren ganzheitlich stärken, indem sie Fachkräfte im Jugendamt auf der Grundlage vorliegender Informationen bei der Gefährdungseinschätzung zuverlässig unterstützt, ohne eigenständig Entscheidungen zu treffen.
Zwischenzeitlich ist es dem Landratsamt mit einem entsprechenden IT-Partner gelungen das Projekt LeSoKiSchu aufzusetzen. Aktuell werden entsprechende Schritte umgesetzt damit das Projekt in der zweiten Jahreshälfte genutzt werden kann.
Nun haben Kirchen keine Jugendämter oder haben die Aufgabenbereiche in diesem Bereich zu handeln. Trotzdem ist dieses Projekt doch auch für uns interessant. Einmal zeigt sich, dass KI in geschlossenen Systemen und für klar benannte komplexere Konzepte und Themen von Interesse sein kann. Und es zeigt, dass mit KI unter gewissen Voraussetzungen gearbeitet werden kann - selbst in solchen hochsensiblen Themenbereichen.
Die Nutzung in einem solch sensiblen Bereich und die klare Benennung der Aufgabe (keine Entscheidungen) dieses Tools zeigt auch die erkannte Ambivalenz von einer Arbeit mit KI auf. Die Begleitung von menschlichen Entscheidungen durch Wissen, durch Bündelung von Fakten und Prozessen führt dazu, dass Entscheidungstragende nicht nur unterstützt und begleitet werden sondern dass Entscheidungen, die nicht allein auf Fakten basieren, transparenter und damit nachvollziehbarer werden können.
Also was lernen wir daraus? Was können wir als Kirche aus diesem Projekt lernen?