Das Sachgebiet Jugendpastoral in Münster hatte im März 2026 zu einem Fachtag eingeladen, bei dem das Thema genauer in den Blick genommen wurde: „Christfluencing. EXTREM geglaubt“. Pastoralreferent Thomas Gocke war Teilnehmer und berichtet von seinen Erfahrungen:
Vom Thema „Christfluencer“ hatte ich in meiner direkten Arbeit als Jugendseelsorger bislang wenig wahrgenommen. Im Internet begegnete es mir jedoch immer wieder – durch Artikel, Clips oder die ZDF-Doku „Christliche Influencer und rechter Agenda?“. Umso passender kam der Fachtag „Christfluencing“ des Sachgebiets Jugendpastoral im Bistum Münster.
Überrascht war ich von der großen Zahl an Teilnehmenden: Rund 60 Pastoralreferentinnen, Sozialarbeiterinnen und Priester waren gekommen. Den Einstieg machte Pfr. Jan Aleff mit Erfahrungen aus seinem pastoralen Alltag. Besonders blieb mir ein Gedanke hängen: Junge Menschen fallen in der Kirche inzwischen dadurch auf, dass sie überhaupt da sind. Dabei sind gerade sie oft Suchende und Fragende – eigentlich genau die Menschen, die Kirche annehmen sollte.
Doch dort, wo junge Menschen heute nach Antworten suchen, ist Kirche häufig kaum präsent. Treffend beschrieben das auch Aline Knapp und Johannes Fröh von der Universität Bonn in ihrem Vortrag über „Christfluencing“. Junge Menschen und die katholische Kirche in Deutschland scheinen oft nicht im gleichen Algorithmus unterwegs zu sein.
Genau diesen Algorithmus nutzen viele meist junge „Christfluencer“. Mit klaren Schwarz-Weiß-Bildern vom Christsein sprechen sie besonders orientierungssuchende Jugendliche an. Prof. Dr. Winter von der Katholischen Hochschule Münster erklärte dies aus psychologischer Sicht: Junge Menschen auf der Suche nach Zugehörigkeit und Orientierung sind beeinflussbar – das war schon immer so. Durch soziale Medien bekommt dies jedoch eine neue Reichweite. Nähe, Authentizität und einfache Antworten auf komplexe Fragen machen den Reiz dieser Inhalte aus.
Am Nachmittag ging es in Workshops um die Frage, wie Kirche darauf reagieren kann. Neben problematischen Beispielen wurden auch gelungene Formen christlicher Social-Media-Arbeit vorgestellt. Themen wie Storytelling, Authentizität und der Umgang mit fundamentalistischen Aussagen spielten dabei eine wichtige Rolle.
Ich fuhr zufrieden, aber auch nachdenklich nach Hause. Der Fachtag hat mir das Phänomen „Christfluencing“ nähergebracht. Doch die Frage bleibt: Wie geht es weiter? Am nächsten Wochenende im Predigtdienst stellte ich fest: Drei junge Menschen saßen in jeder Messe – immer dieselben. Da fragte ich mich unwillkürlich: Ist das Thema nun auch bei mir angekommen?
Thomas Gocke, Pastoralreferent in Ahlen, Bistum Münster
___
Zum Thema Christfluencing gibt es weitere Beiträge im Netz. Hier z.B. ein Standpunkt von Professor Oliver Wintzek (Mainz) auf katholisch.de:
