Im Sommer 2025 verbreitete sich in christlichen Online-Communities auf Instagram, TikTok und YouTube ein neuer Trend: der sogenannte „Jesus-Glow“. Eine Übersicht zu den Reaktionen auf YouTube.
Unter dem #jesusglow zeigten Creator:innen in kurzen Videos, wie sich ihr Leben durch die Hinwendung zum christlichen Glauben positiv verändert habe – wie sie quasi „aufgeblüht“ seien (engl. to glow). Die Botschaft war klar: Dank Jesus ist man selbstbewusster, ausgeglichener und schöner.
Mittlerweile hat die Welle etwas an Dynamik verloren. Doch dank seiner Viralität griffen auch einige YouTube-Kanäle das Phänomen auf und hinterfragten es kritisch.
Hier finden Sie einige dieser Videos mit jeweils einer kurzen Zusammenfassung:
"Jesus Glow - Der Boom von christlichen Influencern?" von Marie Joan (01.06.2025)
Die erste größere YouTuberin, die sich mit dem Phänomen auseinandersetzte, war wohl Marie Joan.
Sie stört am Trend vor allem die Betonung der Äußerlichkeiten, die in manchen Fällen eine streng konservative Botschaft verschleiern würde. Häufig seien die Christfluencer:innen auch aus dem Umfeld von christlichen Freikirchen,von denen einige im Hinblick auf die sexuelle Orientierung wenig Spielraum ließen. Diese Engführung könne zu seelischen Verletzungen bei Mitgliedern führen, die nicht ins Bild passten.
Am Ende des Videos bekennt sie sich selbst zu ihrem christlichen Glauben und betont, dass sie sich trotz Bisexualität in ihrer evangelische Gemeinde beheimatet gefühlt habe.
"CHRIST-Fluencer exposed" von Der Dunkle Parabelritter (20.07.2025)
Auch verschiedene Kanäle der Öffentlich-Rechtlichen haben den Trend unter die Lupe genommen. Allen voran Der Dunkle Parabelritter in einem Video vom 20. Juli.
In seiner sehr ausführlichen Analyse nimmt er vor allem den Instagram-Account liebezurbibel in den Blick. Der bekennende Atheist kritisiert, dass Glaube in den Jesus-Glow-Videos und bei einigen Christfluencer:innen vor allem mit einem schönen und erfolgreichen Leben gleichgesetzt würde. Die Zuschauer:innen würde dem nacheifern wollen und so erhielten die Clips einen missionierenden Charakter. Unterstützt würde diese Problematik, dass die Creator:innen häufig ein Christentum mit Absolutheitsanspruch verträten.
Auch teure Merchandise-Produkte und eine Verbindung zur in Teilen rechtsextremistischen AfD wird vom Dunklen Parabelritter herausgestellt und kritisch hinterfragt. In seinem Fazit betont er, dass die Suche nach Sinn im Leben legitim sei, solche Kanäle sie jedoch ausnutzen würden.
"Bibel treue Influencer machen sich komplett lächerlich" von Schlumpf alias Rezo (10.08.2025)
Am 10. August reagierte der Kanal Schlumpf, ein Zweitkanal des YouTubers Rezo, auf das Video vom Parabelritter.
Seine, immer wieder von anderen Themen unterbrochene, Reaktion ergänzt die Analyse noch einmal. So erklärt er, dass er selbst eigentlich wenig Christ:innen kenne, die solche konservativen und absolutistischen Glaubenseinstellungen hätten, wie die im Video vorgestellten. Er selbst habe durch seine christliche Erziehung (in seiner Verwandtschaft gebe es viele evangelische Pfarrpersonen) das Debattieren gelernt und ihm sei immer mit Offenheit begegnet worden. Ihn stört außerdem, dass die Christfluencer:innen ihren Gott anscheinend trivialisierten, indem sie beispielsweise um die richtige Farbe von Fließen beten würden. Auch die (überteuerte) Vermarktung von Produkten kritisiert er scharf und nennt die Tempelreinigung (z.B. Mt 21,12-17) als eine Bibelstelle, die zeigen würde, dass Jesus solches Marketing wohl nicht gutgeheißen hätte.
"Der Jesus Glow - Schön werden durch Beten?" von Anders Amen (03.09.2025)
Auch die beiden lesbischen Pastorinnen von Anders Amen haben sich in einem Selbstexperiment dem Trend angenommen. Für sie zeigt sich schnell, dass dabei vor allem der Konsum eine wichtige Rolle zu spielen scheint. Außerdem stellen sie die Frage, ob man denn nicht genug Glauben habe, wenn man keine "Glow" hat.
Am Ende betonen sie, dass der Trend in Ordnung sei, wenn man seinen eigenen Glauben positiv darstellen wolle, er aber problematisch werde, wenn Äußerlichkeiten und Selbstbezogenheit sehr im Vordergrund wären. Außerdem solle man aufpassen, dass man sich bei schwerwiegenden Problemen professionelle Hilfe hole.
"Jesus Glow und Bibelverse: Sind Christfluencer gefährlich?" von ZDFunbubble (08.10.2025)
Zuletzt soll hier noch ein Video des Kanals ZDFunbubble kurz vorgestellt werden, das am 8. Oktober erschien.
Für das Format 13 Fragen werden immer wieder Influencer:innen mit verschiedenen Positionen zu einem Thema gegenübergestellt. Diese diskutieren miteinander und sollen am Ende der Folge einen Kompromiss finden, dem beide Seiten zustimmen können.
Obwohl die Meinungen zum Trend und zum Christfluencing zu Beginn weit auseinander zu liegen scheinen, gelingt am Ende eine Einigung. Die Teilnehmer:innen stimmen darin überein, dass die Nächstenliebe der wichtigste Wert für alle sei. Verallgemeinerungen und Pauschalisierungen sollten daher immer wieder hinterfragt werden, denn der Einzelne, dessen Glaube und Verhalten seien von Bedeutung.