Diskussion zu KI und Spiritualität auf der re:publica 25

05.08.2025 |

"AI und Amen? Wie spirituell kann Künstliche Intelligenz sein?" - so lautete der Titel eines Diskussionspanels bei der diesjährigen re:publica. Ein Hauptpunkt des Gesprächs war die Vision einer zukünftigen KI-Religion.

Buchstaben "AI" in technisch anmutender Umgebung, KI-generiertes Bild
 
Bei der re:publica, der großen „Konferenz für die digitale Gesellschaft“, die jährlich in Berlin stattfindet, spielt Religion in der Regel fast keine Rolle. In diesem Jahr gab es allerdings unter dem Titel „AI und Amen? Wie spirituell kann Künstliche Intelligenz sein?“ ein (durchgehend katholisch besetztes) Panel, das sich dem Zusammenhang von KI und Spiritualität bzw. Religion widmete: Claudia Paganini, Professorin für Medienethik, die sich in ihrem Buch „Der neue Gott“ mit der Frage befasst, ob eine KI-Religion an die Stelle der bisherigen Religionen treten könnte; Nathanael Liminski, Minister für Medien in Nordrhein-Westfalen; Lukas Brand, als Theologe und Mathematiker tätig am Algorithm Accountability Lab der Uni Kaiserslautern.
 
Die Erfahrungen in der kurzen Zeit, in der mit ChatGPT und ähnlichen Angeboten die Nutzung von KI-Sprachmodellen allgemein und niederschwellig möglich ist, zeigen, dass viele Menschen KI-Chatbots als persönliche Gesprächspartner nutzen, sich ihnen anvertrauen und ihnen Wissen und Lebenskompetenz zuschreiben. Das betrifft spirituelle Fragen, im Sinne von Themen mit einer das Alltägliche überschreitenden, übergreifenden Tiefe, ebenso wie Alltagsprobleme oder die Suche nach psychologischer Unterstützung.
 
Dabei gibt es das Phänomen, dass in der KI eine gottgleiche Instanz gesehen wird, die Sinn und Orientierung gibt. Aus dieser Beobachtung heraus hat sich Claudia Paganini, Professorin für Medienethik mit der Frage befasst, ob eine KI-Religion der vorherrschende Glaube der Zukunft sein könnte. In der Diskussion erklärt sie, mit der KI schaffe sich der Mensch einen neuen Gott; es sei nichts Neues, dass Menschen Götter „erfinden“, indem sie sich Gottesbilder erschaffen, neu sei aber, dass sie sie „zum Leben erwecken“, wie es jetzt mit der KI möglich sei.
 
Dieser Gedanke ist mehr oder weniger der bestimmende Gedanke der Diskussion, die sich um Fragen dreht wie: Kommt es auf diese menschlichen Zuschreibungen durch Nutzer, die oft wenig über KI wissen, an, oder auf das „entzaubernde“ Wissen um die tatsächlichen technischen Vorgänge und Wirkungsweisen? Müssen Politik und der gesellschaftliche Diskurs einer solchen Überhöhung von KI entgegenwirken? Was kann KI-Literacy und Medienbildung bewirken? Wieso kann KI Texte über spirituelle Fragen schreiben, die tief berühren können, obwohl sie sich mit Sicherheit diese Fragen nicht selbst stellt? Kann KI die menschliche Begegnung und die spirituelle Dimension von Gemeinschaft ersetzen? Wenn nein, was fehlt?
 
Insgesamt eine interessante und nachdenklich machende Diskussion, die viel zum Thema Spiritualität und KI anspricht und weiterführt – allerdings aus meiner Sicht etwas zu sehr von der Idee einer zukünftigen „KI-Religion“ geprägt. Eine etwas offener bleibende Sicht hätte vielleicht grundlegenderen und aktuell relevanteren Aspekten mehr Raum gegeben.
 
Das einstündige Video der Diskussion ist auf Youtube zugänglich:
 
Information zum Panel auf der Website der re:publica:
 
Vorgestellt von

Andrea Imbsweiler

KAMP - Katholische Arbeitsstelle für missionarische Pastoral Referat Evangelisierung und Digitalisierung