Nächstenliebe überwindet Grenzen

29.09.2026 |

 Kirchen und christliche Influencer:innen zu den Landtagswahlen

 
Drei Wochen, drei Wahlen: Am 6. September 2026 wählte Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag, am 20. September folgten Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.
Diese Wahlen ließen fast niemanden ungerührt - auch nicht die Bistümer und christlichen Influencer:innen auf der Plattform „Instagram“.
Diese kurze Zusammenfassung zeigt jeweils, wie sich die katholischen Bistümer in den entsprechenden Bundesländern und beispielhaft ein christlicher Influencer bzw. eine Influencerin zu den Wahlen positionierte.
 
Sachsen-Anhalt
Das Wahlergebnis war zu erwarten und dennoch für viele ein Schock: Die AfD kam auf 43,8 %, während die CDU auf 17,2 % abstürzte. Fast hätte es für eine Alleinregierung gereicht, doch am Ende wurde zumindest das verhindert. Viele Initiativen haben im Vorfeld aufgeklärt und Stellung gegen die Positionen der in Sachsen-Anhalt gesichert rechtsextremistischen AfD bezogen.
Das Bistum Magdeburg positionierte sich dabei sehr klar: Unter dem Leitsatz „Bewusst wählen!" sprach es vor der Wahl eine explizite Wahlempfehlung gegen die AfD aus und stellte christliche Werte wie Nächstenliebe und Menschenwürde in den Mittelpunkt.
Nach der Wahl blieb das Bistum nicht geräuschlos, sondern zeigte Zusammenhalt gleich zweifach: Gemeinsam mit den evangelischen Landeskirchen Anhalts und Mitteldeutschlands veröffentlichte es eine Stellungnahme für Vielfalt, Demokratie und Nächstenliebe.
Zusätzlich veröffentlichte es ein Kurzvideo, in dem verschiedene Menschen des Landes Bertolt Brechts „Kinderhymne" sprechen – ein poetischer Appell an den Zusammenhalt.
Unter den vielen Stimmen, die sich nach der Wahl zu Wort meldeten, war auch die evangelische Pfarrerin Theresa Brückner (@theresaliebt). Ein auf den ersten Blick ruhiges Text-Karusell thematisiert die Gefühle, die das Ergebnis auslösen kann. Diese werden benannt und kurz ausgeführt - keine Analysen, keine Nachfragen. Am Ende verspricht Brückner da zu sein, eine schlichte Zusage des Zusammenhalts.
 
Berlin
Hier zeigte sich zwei Wochen später ein anderes Bild als in Sachsen-Anhalt. Die Linke wurde mit 25,7 % erstmals stärkste Kraft, die AfD kam auf 16 % zu. Die Partei legte zu, blieb aber weit von ihren Ergebnissen in anderen Ländern entfernt.
Auch hier bezog das Erzbistum und die evangelischen Kirchen gemeinsam Stellung: Vor der Wahl hatten sie dazu aufgerufen, mit der eigenen Stimme Demokratie, Vielfalt und Zusammenhalt zu stärken. Im Nachgang der Wahl bekannte sich Erzbischof Heiner Koch zu einem vielfältigen Berlin und benannte die Kirche gleichzeitig weiterhin als Anwältin derer, die „in der politischen Debatte zu wenig gesehen und gehört werden.“
Wenige Tage später schaltete sich Tobias Knöller (@paster_tobi) in eine aufkeimende Debatte ein: Antisemitische Äußerungen von Linken-Abgeordneten verdeutlichten für ihn, wie weit Judenhass wieder verbreitetet sei - auf beiden Seiten des politischen Spektrums. In seinem Kurzvideo möchte er in diesem Zusammenhang die Verantwortung der christlichen Kirchen betonen, sich diesem Antisemitismus entgegen zu stellen. Egal, ob es aus der eigenen politischen Heimat käme oder nicht.
 
Mecklenburg-Vorpommern
Im Norden gewann die AfD mit 38,2 %, die CDU flog erstmals aus einem Landesparlament, die SPD hatte eine spektakuläre Aufholjagd gezeigt und kam auf 35,5 %.
Auch hier hatte das Erzbistum Hamburg (zuständig für den Großteil Mecklenburgs, während Vorpommern zum Erzbistum Berlin gehört) vor der Wahl mit der Kampagne „Mit Herz und Haltung für Demokratie und Nächstenliebe" Position bezogen. Nach dem Ergebnis richtete der Bischof den Blick nach vorn: Die kommende Koalition solle den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Land wieder stärken.
Der christliche Musiker und Autor Jan Simowitsch (@jan_simowitsch) leitete bis 2024 das Popinstitut der Nordkirche. Er kommentierte mit einem Karusell-Post seine Zerrissenheit nach dem Ergebnis der Landtagswahl: Die vielen Stimmen für die AfD seien schmerzhaft. Aber immer noch habe die Mehrheit gegen sie gestimmt – und das, angesichts der Weltlage, eines unbeliebten Kanzlers und drohender Sozialkürzungen. Für ihn wird deutlich, dass sich der Kampf für klare Inhalte und Positionen lohnt.
 
Ein paar persönliche Worte zum Schluss
Die drei vergangenen Landtagswahlen wurden so emotional geführt, wie kaum welche zuvor. Die politischen Lager scheinen auseinander zu driften und die Hemmungen, extremistische Parteien zu wählen, schrumpfen. Dass eine rechtsextremistische Partei in zwei Bundesländern die meisten Stimmen auf sich vereinen kann, ist erschreckend.
Dennoch zeigt sich auch Zusammenhalt.
Nicht nur unter der Influencern und ihrer Follower:innneschaft, sondern auch ökumenisch.
Selten haben die beiden großen christlichen Kirchen so klar gemeinsam Stellung bezogen und sich zusammen gegen den Hass und die Menschenfeindlichkeit eines politischen Akteurs in Deutschland ausgesprochen.
Trotz aller Sorgen und Ängste, die Theresa Brückner benennt und die diese Wahlen auslösen können, zeigen die christlichen Reaktionen doch auch eins: Nächstenliebe kennt keine Grenzen. Sie geht immer darüber hinaus!
Ansprechperson

Magdalena Sauter

Diözesanbeauftragte für Internetseelsorge und Digitale Pastoral im Bistum Würzburg