KI ist in aller Munde. KI wird genutzt. KI als Lösung für alle Aufgaben gestaltet alles. Zumindest in Philipp Schönthalers Essay/Novelle Mysteria Hyteria ist das so.
Philipp Schönthaler: Mysteria Hysteria
25.09.2026 |
eine kleine Buchbesprechung
Zum Inhalt: Die Verlagswelt ist voll und ganz auf KI umgestellt. Der Lektor, jetzt dann ein Textmanager, hat die KI als Begleitung, die unter anderem auch die eingesendeten Manuskripte sichtet, nach Wortnutzung, Syntax, sprachliche Komplexität und Innovation auswertet und daraus dann die möglichen Leserzahlen bereitstellt. Zwischenzeitlich ein ganz normaler Vorgang für den Textmanager und er hat auch den KI generierten Absagebrief versendet – aber irgendwie stolpert er über einzelne Satzwendungen des Manuskriptes. Irgendwie stolpert er und irgendwie hallt da etwas nach. Erst später wird im bewusst, dass die Syntax ihn an eine Freundin erinnert. Und mit der Syntax erinnert er sich an eine vergangene Zeit, an Ideale die abgelöst wurden von Statistik, Textkosmetik und Absatzzahlen. Das berührt ihn, führt dazu, dass er sich aufmacht um jene vergessene Freundin wieder zu finden. Sie entzieht sich der KI, die er aber braucht (?) um sein Leben zu leben …
Auf knappen 43 Seiten umreißt der Autor die zentralen Fragen angesichts der Veränderungen durch die KI: Es sind die Fragen nach dem Menschenbild, nach der Würde des Menschen und dessen Schutz und nach der Frage was diesen Menschen eigentlich ausmacht. Und doch wertet er diese Fragen nicht durch Antworten ab, sondern zeigt eine Welt, in der wir bald leben könnten (müssten). Die Antworten müssen wir geben, denn er erinnert uns daran: Wer die KI nutzt, setzt Entscheidungen. Egal ob ich es will oder nicht. Wer KI heute einsetzt, entscheidet nicht über das einzelne Programm, sondern zentral über die Frage: Wie werden wir leben?
Ein gelungener Debattentext!
Philipp Schönthaler: Mysteria Hysteria. Matthes & Seitz Verlag. 2026. 44 Seiten. 8 Euro
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